Dritter Nationalpark: Brauchen wir einen Nationalpark im Spessart?

13 Januar 2017

Dritter Nationalpark: Brauchen wir einen Nationalpark im Spessart?

Wald Bild

Zahlreiche Argumente sprechen für und gegen einen Nationalpark Spessart


Ein möglicher Nationalpark Spessart rückt näher. Schon seit längeren überprüft das Bayerische Umweltministerium Flächenvorschläge für einen dritten Nationalpark in Bayern und wird diese dann zur Diskussion mit der Bevölkerung stellen. Auch wir Abgeordnete diskutierten am 10. Februar mit Umweltministerin Ulrike Scharf bei einem Runden Tisch dieses Thema (Zu den Resultaten dieser Gespräche erscheint in Kürze ein eigener Blog).


Doch es wird keinen Nationalpark gegen den Widerstand einer Region geben. Um sich sinnvoll für oder gegen einen Nationalpark Spessart zu entscheiden, müssen wir die Auswirkungen und Folgen auf Natur, Bewirtschaftung, Tourismus etc. kennen, über die ich Ihnen hier einen kleinen Überblick geben möchte.



Welche Standorte kommen für einen dritten Nationalpark überhaupt in Betracht?


Derzeit sind für einen dritten Nationalpark in Bayern noch vier Regionen im Rennen:


1. Rhön: Mit 7000 ha fast zu klein, könnte aber durch Truppenübungsplatz ergänzt werden
2. Donau
3. Auen Gebiete im Landkreis Weltenburg
: Müssten mit den Donau-Auen zusammengefasst werden, um über 10.000 ha zu erreichen
4. Spessart: Einzige Option mit über 10.000 ha Staatsforst



Was spricht für einen Nationalpark-Spessart?


Bei einem Nationalpark fließen zusätzliche Zuwendungen durch den Freistaat Bayern an die Region. Zum Beispiel erhielten die Regionen um den Bayerische Wald in den Jahren von 1970 bis 2014 zusätzliche Fördergelder in Höhe von über 300 Millionen Euro. Auch werden Aufträge in Zusammenhang mit dem Nationalpark zumeist an ortsansässige Unternehmen vergeben, was die Wirtschaft fördert. Durch den zunehmenden Tourismus können neue Arbeitsplätze entstehen. So entstanden beispielsweise in der Region um den Bayerischen Wald 456 Vollzeitäquivalente und etwa 200 Stellen bei der Nationalparkverwaltung. Viele der derzeit Beschäftigten in der Holzwirtschaft könnten auch als Waldführer oder Ranger tätig werden. Der Spessart ist beim Tourismus unter anderem deswegen nicht so stark wie manch andere Region, weil es hier kein gesamtheitliches Konzept zu geben scheint. Sollte ein "Nationalpark Spessart" tatsächlich entstehen, so böte dies die Chance, dass sich die entsprechenden Verbände, Gastronomen, Gemeinden et cetera endlich zusammensetzen und gemeinsam ein solches Konzept erarbeiten. Im Bayerischen Wald ist das beispielsweise recht gut gelungen. Mit Blick auf den Internetauftritt des dortigen Nationalparks zeigt sich beispielsweise eine verhältnismäßig enge Verzahnung der Öffentlichkeitsarbeit von Nationalpark und örtlicher Gastronomie. Das liegt daran, dass sich die 13 Nationalparkgemeinden zur "Ferienregion Nationalpark Bayerischer Wald" zusammengeschlossen haben. So wurden Personal und Mittel gebündelt, um die Region in enger Zusammenarbeit mit dem Nationalpark touristisch zu vermarkten.


Maßnahmen wie der Aufbau eines Wegenetzes und Ähnliches wird es nur in Abstimmung mit Spessartbund und Kommunen geben. Auch wird es im möglichen Nationalpark Spessart kein Wegegebot für Wanderer geben. Dieses ist nur vorgesehen, wenn Menschen geschützte Arten in ihrem Lebensraum stören könnten; wie in einigen Stellen im Bayerischen Wald aufgrund der dortigen Auerhühner. Weiterhin bleibt auch das Sammeln von Pilzen und Beeren erlaubt.


Die viel diskutierten Spessartforstrechte sollen nach Auskunft von Umweltministerin Scharf ebenfalls Berücksichtigung finden. Es werde kein Spessartforstberechtigter schlechter gestellt und die Berechtigten sollen ihr Recht auch in Zukunft anwenden können. Eine zwangsweise Ablösung oder gar Enteignung werde es nicht geben.  Insbesondere die Brennholversorgung der Bevölkerung solle auf dem jetzigen Niveau bestehen bleiben. Das Brennholzkonzept des Nationalparks Hunsrück wird hier als Beispiel für die Sicherstellung wohnortnaher Brennholzversorung zum bisherigen Preis angeführt.  Im Kern basiert dieses Konzept auf der örtlichen Versteigerung und Vergabe von Brennholz über sogenannte Lose. Für weitere Informationen dazu klicken Sie hier.


Die Spessarteiche wird überall, außer in der Kernzone (die eine Größe von etwa 7500 ha haben wird), weiter bearbeitet und gepflegt werden. Der Nationalpark wird vorausichtlich eine Größe von 10 Prozent des bayerischen Spessartwaldes haben. So wäre der Eichenbestand im restlichen Spessart (in den Kommunalwäldern)  groß genug, um die regionalen Sägewerke auch in Zukunft adäquat zu versorgen. Die Eiche soll laut Umweltministerin Scharf Charakterbaum des Spessarts bleiben. Allgemein sollen die Belange der Holzindustrie von Anfang an in der Konzeption berücksichtigt werden. Auch würde  der Eichenbestand in der Entwicklungszone des Nationalparks eine gezielte Förderung erhalten und könnte länger als 300 Jahre, dem sogeannten Biotopbaumalters, wachsen. Ebenso soll sich die Artenvielfalt erhöhen. Denn allgemein sind unbewirtschaftete Wälder  im europäischen Vergleich artenreicher als Wirtschaftswälder. Der für die Gesundheit des Waldes wichtige Totholzanteil ist im Spessart derzeit viel zu niedrig und könnte nach der Gründung eines Nationalparks steigen.


In einer wissenschaftlichen Studie im Auftrag des Staatsministeriums für Umwelt- und Verbraucherschutz von Prof. Dr.  Jörg Müller, Julius-Maximillians Universität Würzburg, wird eine Gefährdung der Traubeneiche auf Grund der heutigen Baumartenzusammensetzung und Altersverteilung der Bäume im planungsrelevanten Zeiträumen ausgeschlossen.  Der Klimawandel lasse hier sogar Vorteile für die Eiche, aber auch für die Biodiversität an Eichen erwarten. Eine große nutzungsfreie Zone würde demnach darüber hinaus die Alteichen vor Übernutzung schützen und in nur 100 Jahren zu einer Verdopplung der Altbaumfläche führen. Der Studie zufolge böten die heutigen standortfremden Nadelholzbestände zusätzlich viel Raum, um in einer Pflegezone gezielt die Eiche und andere heimische Baumarten in einem Nationalpark noch stärker als aktuell zu fördern.


Im Falle einer Schweinepest könnte auch im Nationalpark entsprechend eingegriffen und angrenzende Waldgebiete vor Schädlingsbefall effektiv geschützt werden, so die Pro-Seite.

Ein Nationalpark führe nach Aussage des Staatsministeriums für Umwelt- und Verbraucherschutz nicht zur unkontrollierten Vermehrung von Schwarzwild. Dies werde mithilfe eines entsprechenden Wildtiermanagements vermieden. Verantwortlich für ein solches Management wäre die Nationalparkverwaltung. Zum Schutz der angrenzenden Flächen vor Schwarzwildschäden solle im Bedarfsfall das gesamte Spektrum an möglichen Bejagungsstrategien im Einklang mit jagd- und tierschutzrechtlichen Vorgaben ausgeschöpft werden.

Wasserversorgung und Abwasserentsorgung werden laut Umweltministerin Scharf durch einen Nationalpark nicht berührt. Somit bestehe keine Gefährdung der Wasserversorgung für die angrenzenden Kommunen.

Befürworter verweisen darüber hinaus auf einen anderen Effekt, der die Besucher eines solchen Nationalparks betrifft: Diesen eröffne sich ein neuer Blick auf die ursprünglichen Natur mit Flora und Fauna, mit welchem auch ein verändertes Umwelt- und Naturbewusstsein einhergehen könnte.

 

Flächenvorschlag für einen möglichen Nationalpark Spessart

Flächenvorschlag für einen möglichen Nationalpark Spessart



Was spricht gegen einen Nationalpark Spessart?


Kritiker sehen, dass die Spessarteiche (Traubeneiche) ohne menschliches Eingreifen von der Buche verdrängt wird. So gäbe es im natürlichen Spessart nur 2,5 Prozent Eiche, derzeit sind es ca. 25 Prozent (4.500 ha). Deren monetärer Wert wird auf ca. 216 Millionen Euro geschätzt, da die Spessarteichen sowohl auf den nationalen als auch internationalen Märkten sehr gefragt sind. Da ein Nationalpark auch die Nicht-Eichenwälder umfassen würde, wäre der dadurch stillgelegte Wert vermutlich weit höher (min. 10.000 ha).


Es ist zu befürchten, dass der Eichenanteil bei einem Nationalpark Spessart innerhalb der nächsten 100 Jahre massiv zurückgehen würde, da das subatlantische Klima im Spessart die Buche zusätzlich begünstigt. Diesen Schluss legen beispielsweise die stillgelegten Naturschutzgebiete im Spessart nahe. Dort haben weit weniger als 100 Jahre für den Eichentod ausgereicht. Weil die Artenvielfalt an den Eichen viel höher ist als an Buchen, besteht Grund zur Annahme, dass es dadurch insgesamt zu einer Verschlechterung der Biodiversität kommen wird. Es wurden 1.000 Arten von Käfern und Großschmetterlingen an der Eiche nachgewiesen. Viele davon, z.B. der seltene Hirschkäfer, finden sich nur in Eichenwäldern. Um die Eichenbestände zu schützen, müssten im eigentlichen Nationalparkgebiet immer wieder Buchen entnommen werden. Dies widersprächet dem Ziel eines großflächigen, unzerschnittenen Schutzgebiets. Zudem würde die A3 mit hoher Wahrscheinlichkeit das Gebiet des Nationalparks durchschneiden.


Im Gegensatz zu den artenreichen Eichenwäldern sind Buchenwälder im Spessart regelrecht artenarm („bodensaure Buchenwälder“ wegen Sandstein als Ausgangsgeologie). Das liegt unter anderem daran, dass die Buche nur wenig neben sich existieren lässt und als Schattbaumart kaum Licht auf den Boden wirft. In der Rhön gäbe es eine viel größere Vielfalt, weil dort die Standorte ganz unterschiedlich sind (Basalt, Kalk, Sandstein) und es zudem zwei Höhenlagen gibt (submontan und montan). Hier würde ein Buchennationalpark vermutlich viel mehr Vielfalt mit sich bringen und verschiedene Buchenwaldgesellschaften beherbergen.


Der Staatswald im Spessart ist darüber hinaus auf ganzer Fläche mit Holzrechten belastet. Diese sind im Grundbuch verbrieft. Berechtigt im Sinne des Rechtsbeschriebs sind alle Bürger der Spessartgemeinden, die einen Holzofen besitzen. Eine Ablösung der Rechte wäre wahrscheinlich mit größeren Schwierigkeiten verbunden, da es dazu eine einvernehmliche Einzelablösung der (vielen tausend) Rechtler gem. Art 82 Abs 1 Satz 1 der BayGO bedürfte. Eine Enteignung kommt wohl kaum in Frage. Aufgrund der vielen vorhandenen Öfen, ist die Bevölkerung auf die Brennholzversorgung vor Ort angewiesen. Im Vergleich dazu gibt es im Nationalpark Bayerischer Wald nur 29 ganz konkret abgrenzbare Rechte.


Durch den Nationalpark könnte es zu einer zusätzlichen Vergrößerung der Wildschweinpopulation im Spessart kommen. Dadurch entstehen große landwirtschaftliche Schäden und auch die Gefahr einer Schweinepest steigt. Da es keine natürliche Dezimierung durch beispielsweise strenge Winter im Spessart gibt wie im Bayerischen Wald oder in Berchtesgaden und in der Kernzone des Nationalparks ein Jagdverbot herrscht, stellt dies ein Problem dar. Die Methode, den Wildbestand durch Saufänge zu regulieren, ist aus verschiedenen Gründen umstritten. Zweifelhaft ist zunächst, dass aufgrund des reichhaltigen Nahrungsangebots an Bucheckern und Eicheln die Fallen überhaupt angenommen werden. Außerdem gibt es tierschutzrechtliche Bedenken.


Sollte es einen großflächigen Schädlingsbefall im Nationalparkkerngebiet geben, dürfte dieser lediglich in der Peripherie (Pflegezonen) bekämpft werden. Inwieweit dadurch eine Ausbreitung auf umliegende Waldflächen und damit verbundene finanzielle Einbußen verhindert werden können, bleibt in der öffentlichen Diskussion bislang umstritten. Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die sehr wichtige Bekämpfung des Eichenprachtkäfers zur Erhaltung der Eichen sowie des Asiatischen Laubholzbocks, mit dem im Falle einer Einrichtung des Nationalparks in unmittelbarer Nähe zur  A3 gerechnet werden müsste (Ausflug aus Paletten).


Aus ökonomischer Sicht erscheint eine nachhaltige Waldbewirtschaftung sinnvoll. Im Jahr 2015 wurden in Deutschland ca. 50% mehr Rohholz importiert als exportiert. Findet im Spessart keine extensive Waldwirtschaft mehr statt, könnte es sein, dass weit mehr Holz importiert werden muss. Diese würde unnötige Treibhausgasemissionen verursachen.


Auch hängen im Spessart zahlreiche Arbeitsplätze an der Forstwirtschaft und der holzverarbeitenden Industrie. Viele Dienstleistungsunternehmen sind mit ihren Maschinen und gut qualifizierten und bezahlten Mitarbeitern auf die Arbeit im Wald spezialisiert. Für sie würde sich die Auftragslage möglicherweise deutlich verschlechtern. Aufgrund der Spezialisierung wäre das Aufnehmen einer anderen Arbeit für diese Betriebe und Betroffenen wohl nicht ohne weiteres möglich. Kritikern zufolge wären die im Bereich des Tourismus entstehenden Arbeitsplätze vor allem im Bereich des Niedriglohnsektors angesiedelt (Bedienungen, Zimmerpersonal), dagegen fielen gut bezahlte Facharbeiterstellen weg.


Ein Rückbau des Wegenetzes ist wahrscheinlich, was auch Wanderer einschränken würde. Der Nationalpark bayerischer Wald weist beispielsweise eine Wegedichte von lediglich 1,45 km/100 ha auf, dagegen sind es im Spessart bereits heute 2,94 km/100 ha. Touristische Effekte die durch einen Nationalpark entstehen könnten, werden in Frage gestellt. Zum einen verzeichnen die Nationalparkregionen in Deutschland seit Jahren rückgängige Übernachtungszahlen, wobei gleichzeitig die nationalen Übernachtungszahlen ansteigen. Zum anderen werden Besucher wahrscheinlich vor allem durch infrastrukturelle Maßnahmen angelockt wie z.B. einen Baumwipfelpfad.


Ergänzend kann noch auf eine mögliche fleckenartige Ausweisung des Gebiets (25 Prozent Pflegezone verteilt auf das Gebiet, wo die Eiche durch Waldmanagementmaßnahmen erhalten wird und 75 Prozent Schutzzone ohne jegliche Eingriffe) verwiesen werden:


Die Eiche kommt fast in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet im Spessart in Mischbeständen mit anderen Baumarten, insbesondere der Buche, vor (mit sehr unterschiedlicher Verteilung). Daher wäre es zum einen nicht einfach, solche 25 Prozent Flächen zu finden, da in den verbliebenen 75 Prozent der Fläche ja ebenfalls häufig Eichen vorhanden sind, welche dann verschwinden würden und somit der Eichenanteil insgesamt signifikant sinken würde. Des Weiteren müssten die 25 Prozent der Fläche höchstwahrscheinlich intensiv gepflegt werden um dort ein verschwinden der Eiche zu verhindern. Da die Flächen auf das ganze mögliche Gebiet eines Nationalparks verteilt sein würden und naheliegender Weise Holzrechtler und Selbstwerber aus diesen Gebieten mit Brennholz bedient werden, würde durch die häufige Frequentierung des Gebiets mit Fahrzeugen und Geräten der Charakter eines Nationalparks vermutlich stark leiden. Darüber hinaus würde zwar durch diese dem Gedanken eines Nationalparks schädliche Pflege auf den 25 Prozent der Fläche (und nur dort) die Eiche erhalten werden. Allerdings würde bei der reinen Pflege des Altbestands eine Verjüngung der Eiche im notwendigen Maß kaum eine Chance haben. Diese wäre aber zwingend notwendig um die Eiche nicht nur mittelfristig, sondern langfristig zu erhalten. Im Übrigen wäre ein echter Fleckenteppich auch für die Anerkennung ein echtes Problem und gerade die kleinen Eichenflecken sind die ökologisch besonders hochwertigen (weil da die alten Eichen stehen).


Daher erscheint auch so eine fleckenartige Ausweisung und Pflege zugunsten der Eiche (wobei dieser Bonus eventuell auch von einer Verwaltung des Nationalparks "kassiert" werden könnte) wenig ausreichend, um die Traubeneiche im notwendigen Maß im Spessart zu erhalten.


Kritiker stehen nicht zuletzt aus diesen angeführten Gründen einem Vergleich der Situationen in Spessart und Bayerischem Wald skeptisch gegenüber.


Es wird außerdem darauf verwiesen, dass eine Einflussnahme durch die Bürger auf Angelegenheiten der eingesetzten Nationalparks-Verwaltung  kaum möglich sein wird. Zu deren Kompetenzbereich zählen beispielsweise Flächenmanagement und Eingriffsplanung.


Aus diesem Grund präferieren Kritiker ein Biosphärenreservat  als Alternativlösung für den Spessart.




Mit einem Nationalpark könnten mehr Touristen in den Spessart kommen

Mit einem Nationalpark könnten mehr Touristen in den Spessart kommen


Sollten Sie noch Argumente kennen, die hier mit aufgenommen werden sollen, bitte ich um ein kurzen Kommentar unter dem Beitrag. Denn es gibt es sicherlich noch zahlreichen Diskussionsbedarf in der Angelegenheit und verschiedene Sichtweisen.


Das Umweltministerium hat bereits vor einiger Zeit eine Homepage zum Thema "Ein 3. Nationalpark für Bayern" erstellt.  Hier finden Sie unter anderem allgemeine Informationen zum Auswahlverfahren et cetera. Neuerdings bietet die Seite auch Antworten auf die - nach Ermessen des Ministeriums - wichtigsten Fragen rund um einen möglichen Nationalpark im Spesssart.


Sobald die Flächenvorschläge für einen möglichen Nationalpark Spessart final ausgearbeitet sind, werde ich diese hier mit anfügen. (Dieser Beitrag wurde zuletzt am 13.03.2017 aktualisiert und ergänzt)



 

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5 Kommentare
  • Ganz ehrlich, die ganzen Argumente dagegen sind im Grunde nur auf eigene wirtschaftliche Vorteile begründet, denn die Probleme mit der Eiche stimmen nicht so ganz.
    Ich zitiere : LESERBRIEF UNSERES OG-VORSITZENDEN RUF ZUM THEMA

    18.11.2016 Leserbrief von Torsten Ruf zu “Der Verein des schnellen Neins” v. 17.11.2016 an das Main-Echo “… Unter anderem wird die Verdrängung der Eiche als Charakterart des Spessarts als ein Argument gegen einen Nationalpark Spessart aufgeführt. Die Realsituation sieht allerdings so aus: Ein potentieller Nationalpark mit wahrscheinlich nicht viel mehr als 10.000 ha Fläche (weniger als 6 % des bayerischen Spessarts) stellt für die Eiche als Wirtschaftsbaum keine Bedrohung dar. Für die Eiche als Biotopbaum ist es im Spessart dagegen langfristig schlecht bestellt. Die Buche wird die Eiche in den bisherigen Waldschutzgebieten (Naturschutzgebiete, Klasse-1-Wälder) weitestgehend verdrängen, da hier Prozessschutz herrscht. In den Wirtschaftswäldern wird die Eiche, bis auf Ausnahmen, vor dem Erreichen des Biotopbaumalters (ab 300 Jahren) gefällt. Unter diesen Aspekten wäre die Eiche in der Entwicklungszone eines Nationalparks, die 25 % der Gesamtnationalparkfläche umfasst, bestens aufgehoben, da hier gezielte Förderungsmaßnahmen durchgeführt werden könnten. Das wichtigste Thema neben der naturschutzfachlichen Diskussion ist die Wertschöpfung für die Region. Eine Vorstellung von möglichen wirtschaftlichen Potentialen bietet hier eine aktuelle Veröffentlichung des Bundesamts für Naturschutz: https://www.bfn.de/0323_tourismus-oekonomie.html . Es wäre also Herrn Winter, wie allen Kritikern der Nationalparkidee der CSU – Regierung anzuraten, sich zuerst über die Fakten kundig zu machen, bevor falsche, bzw. nicht taugliche Argumente verwendet werden.”

    • GF sagt:

      Liebe Frau Herrera,

      herzlichen Dank für die Informationen und Ihre Anregungen. Die von Ihnen
      angeführten Punkte wurden bereits in meinem Blog ergänzt. Ich wünsche mir
      weiterhin eine sachliche, öffentliche Debatte in deren Verlauf vor allem
      auch die Bürger zu Wort kommen. Nur so kann am Ende eine rationale
      Entscheidung im Sinne der Region zustande kommen. Ich freue mich daher
      grundsätzlich sehr über das große Engagement mit dem die verschiedensten
      Akteure und auch viele Bürger an diesem Diskurs teilnehmen und setze große
      Hoffnungen in das Gespräch mit Umweltministerin Scharf am 10. Februar in
      Aschaffenburg. Dieses könnte im besten Fall sehr dabei helfen, dass die
      Debatte endlich etwas zielführender geführt werden kann

      Viele Grüße
      Günther Felbinger, MdL

  • Ich erlaube mir noch ein Leser Brief hier zu kopieren:
    LESERBRIEF VON CHRISTIAN SALOMON

    Zur Debatte Sinner gegen Sinner – und zur Nationalparkdiskussion allgemein

    Eichensterben, Ende der nachhaltigen Holzversorgung, politische Willkür und Zerstörung der Heimat… schnell sind Schlagworte für eine pauschale Ablehnung gefunden – lange bevor überhaupt konkrete Informationen vorliegen und entgegen klarer Fakten. Das eigentliche Ziel und die Chancen eines Nationalparks werden in der Diskussion zur Nebensache.

    „Wir haben schon genug Naturschutz“ war zu hören. Dabei verläuft das Artensterben weltweit so schnell wie noch nie. Der Verlust von Wildnisgebieten ist dabei ein wichtiger Faktor. Bayern hat bei der Wiederherstellung solcher Gebiete eine klare Verantwortung und Bringschuld. Tropischen Regenwald in Entwicklungsländern erhalten, finden wir richtig. Aber als eine der weltweit reichsten Gesellschaften 10.000 ha Staatsfläche aus der Nutzung zu nehmen, damit es sich in Richtung der ursprünglichen Natur zurückentwickelt, das sollen wir uns nicht leisten können? Dabei sind gerade Buchen-Urwälder weltweit nur noch in kümmerlichen Resten vorhanden.

    Als Hauptargument gegen einen Nationalpark wird die Vernichtung der Spessarteiche herangezogen. Dabei sprechen wir von einem Nationalpark mit einer Größenordnung von 10 % des bayerischen Spessartwaldes inklusive Pflegezone. Dadurch soll das Kulturgut Spessarteiche vernichtet werden? Alleine in einer 2.500 ha großen Pflegezone des Nationalparks könnte wesentlich mehr zur Förderung wirklich alter Eichen getan werden als bisher und außerhalb des NLP stünde hierfür noch ein Vielfaches an Waldflächen (auch im Staatswald) zur Verfügung.

    Im Nationalparkgebiet würde sich langsam etwas Gewaltiges entwickeln, das kaum mit einem naturnahen Wirtschaftswald zu vergleichen ist. Ich empfehle jedem dringend, einmal das Naturschutzgebiet Metzgergraben aufzusuchen. Man wird staunen, welche Dynamik, Erhabenheit und Vielfalt in diesem winzigen Stückchen Wald stecken. Man wird Respekt vor diesen Baumriesen mit ihren Spechthöhlen und Pilzkonsolen bekommen und sich fragen, ob wir wirklich das Recht haben, die gesamte Natur nach unseren Vorstellungen umzugestalten. Und man wird nach einer halben Stunde enttäuscht sein, dass man das Naturschutzgebiet bereits durchquert hat und auf Schotterwegen wieder durch „normalen“ Wald läuft.

    Statt Angst vor Umstellungen und vor einem Stück unkontrollierter Natur zu haben, sollten wir diese einmalige Chance zur Aufwertung unserer Heimat nutzen und dabei gemeinsam möglichst viel heraushandeln. Natürlich brauchen wir dann professionelle Berufsjäger, um die Wildschweine in Schach zu halten. Die bräuchten wir längst schon und auch das sind gute Arbeitsplätze. Natürlich müssen sich einige Holznutzer umstellen und Forstkonzepte auch außerhalb des NLP geändert werden. Dafür brauchen wir schlüssige Konzepte und angemessene staatliche Unterstützung. Mussten nicht schon viele Generationen auf die Herausforderungen ihrer Zeit reagieren? Und wer will bestreiten, dass der Fremdenverkehr und das Image der Region eine solche Vitaminspritze gut brauchen könnten?

    Schnell wird der Begriff Heimat besetzt. Der Spessart bleibt auch mit Nationalpark unsere Heimat und wird nur noch wertvoller, wenn unser Kultur- und Naturerbe neben Spessarteichen und Wiesentälern auch aus buchendominiertem „Urwald“ besteht.

    Christian Salomon, Gebietsbetreuer für Grünland

    17.01.2017

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